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Bewusstsein eines Unternehmens

Ein Tweet hat mich zu diesem Eintrag angeregt. In dem Tweet führte der Autor aus, ein Unternehmen kann im Gegensatz zu einem Individuum keine Werte haben. Diese werden von den Individuen geprägt. Der Autor meinte dann weiters, deswegen sollte mit Prinzipien gearbeitet werden.

 

Soweit klingt die Aussage über die Werte total nachvollziehbar. Der Schluss zu den Prinzipien weniger. Aber über das will ich hier im Moment nicht weiter nachdenken. Viel mehr über den 1. Teil der Aussage im Zusammenhang mit den Ausführungen des von mir hochgeschätzten Thomas Weil in seinen Darlegungen zu „Free the limbic“.

 

Thomas schreibt: „Organisationen sind un-menschlich Zwar sind diese von Menschen geschaffen. Aber zuallererst sind Organisationen dafür da, ihr eigenes Überleben zu sichern.“ Hoppla – doch ein Eigenleben?

 

Es geht weiter mit „Vergleichbar dem Räderwerk einer Uhr haben die Menschen, die in Unternehmen arbeiten, eine diesem ´un-menschlichen´ Organismus dienende Funktion.“ Uii – ich höre imaginatives Heulen. „In Organisationen arbeiten Menschen. Menschen in Organisationen sind dafür verantwortlich, wenn es im Unternehmen ´menschelt´. Menschen bringen ihre ´verdeckten Erwartungen´- meist unbewusst – ins Unternehmen ein und verwechseln gelegentlich den Arbeitsplatz mit einem Ort, an dem die unerfüllten lebensgeschichtlichen Bedürfnisse Befriedigung finden sollen.“ Daraus entstehen die verdeckten ´Verträge´, die uns im Miteinander dann oft zu schaffen machen.

 

„Wenn verdeckte Erwatungen massgeblicher Personen in einem Unternehmen zu unausgesprochenen kollektiven Erwartungen werden, dann kann es zu den sogenannten ´geheimen Verträgen´ kommen.“ Da sind sie schon.

 

„Um Bewusstsein im Unternehmen zu erlangen, kommt es darauf an, die Bereitschaft aufzubringen, sich mit den geheimen Verträgen in der eigenen Organisation zu befassen. Denn die daraus gewonnenen Einsichten können zum Motor von Innovation und Veränderung werden.“ – Die Personen schaffen also das Bewusstsein. Bewusst und unbewusst. Es sind unsere Grundüberzeugungen, Annahmen, Interaktionen, gelebte Verhaltensweisen, welche die Unternehmenskultur – das B ewusstsein des Unternehmens kreieren. Sie spüren das schon meist beim ersten Eintreten in das Unternehmenssystem. Sie spüren aber auch schnell, wenn sich Inneres mit Äusserem nicht in Einklang befindet.

 

Thomas unterscheidet sogar zwischen individuellen und organisationellen Bedürfnissen. Wenn wir uns das alles im Kopf herum gehen lassen, ist es, wie wenn es doch ein organisationelles Bewusstsein geben müsste. Und damit auch Werte der Organisation. Bei tieferem Durchdenken unter der Berücksichtigung der Art und Weise des Entstehens dieses Bewusstseins, ist es die Wechselwirkung von Mensch zu Unternehmenskultur und Mensch. Letztendlich sind es zigfache über meist viele Jahre hinweg geprägte Einstellungen, welche die Organisation und damit wieder die Individuen prägen.

 

Diese Sicht lässt mich das Fazit ziehen, wie die ursprüngliche Aussage zu den Werten einer Organisation zwar etwas kurz gegriffen scheint, da die Wechselwirkungen völlig ausser Acht gelassen werden. Dem Endergebnis kann ich mit Überzeugung zustimmen.

 

Zurückkommend zu den Prinzipien – diese sind Ausdruck von Einstellungen. Einstellungen, wie wir uns verhalten wollen. Das halte ich für einen validen Ansatz. Was mir aber im Bild des Systems fehlt, ist der Hinweis zur Orientierung. Die Antworten auf das Wofür? – dem Unternehmensgegenstand.